Sonntag, 11. August 2019

Rezension - Ramona Blue von Julie Murphy

Übersetzer: Kattrin Stier
Ausgabe: Hardcover
Seiten: 400
ISBN: 978-3-8414-4025-9
Preis: 18,99 €

Quelle des Covers: S. Fischer Verlag / FJB
 


Als im Jahre 2005 der Hurrikan Katrina unter anderem über den Bundesstaat Mississippi hinwegfegte, richtete er gewaltige Schäden an, die in die Milliarden gingen und sehr viele Menschenleben forderte. Ganze Landstriche, Gebäude und große Teile der Infrastruktur wurden dem Erdboden gleich gemacht. So wurde auch das Elternhaus von Ramona´s Familie zerstört und wäre dies nicht schon genug, mussten die Kinder noch die Trennung der Eltern verkraften. Seitdem leben die beiden Schwester und ihr Vater in einem Wohnwagen in einem Trailerpark. Eigentlich sollte dies nur eine Übergangslösung sein, doch das Leben spielt manchmal nicht fair, sodass die Familie letztlich dort wohnen blieb.

Ramona hat das Gefühl, dass sich die ganze Welt gegen sie und ihre Familie verschworen hat. Dabei ist es als junge Dame mit einer Körpergröße von 1,80 m und blauen Haaren sowieso nicht einfach, einen Platz in der Gesellschaft zu finden. Erschwerend hinzukommt, dass Ramona sich schon früh als lesbisch geoutet hat, was im kleinen und beschaulichen Städtchen Eulogy weitere Probleme mit sich bringt. Um ihren Vater zu unterstützen, hat sie gleich zwei Jobs und versucht nebenbei noch ihren Abschluss an der Schule zu machen.

Als ihre große Schwester Hattie schwanger wird und zugleich ihr Jugendfreund Freddie zurückkehrt, wird Ramona´s Leben völlig durcheinander gewirbelt. Hin- und hergerissen zwischen Pflichtbewusstsein und Zukunftsängsten sowie wachsender Zuneigung für Freddie, muss sich Ramona entscheiden, was das Beste für sie ist.


Bereits mit ihrem Debütroman Dumplin - Go big or go home (Rezension) konnte mich Julie Murphy vorallem wegen des Schreibstils begeistern, weshalb ich mich sehr auf Ramona Blue gefreut habe. Und ich kann schon jetzt verraten, dass ich mit diesem Buch tolle Lesemomente hatte. 

Ramona Blue fühlt sich für ihre ältere Schwester Hattie verantwortlich, nachdem ihre Mutter die Familie vor ein paar Jahren verlassen hat. Die Schwestern haben ein sehr enges Verhältnis, stehen zueinander und halten wie Pech & Schwefel zusammen. Beide leben gemeinsam mit ihrem Vater, in einem Trailerpark auf äußerst beengten Verhältnissen. Als Hattie schwanger wird, sieht Ramona ihre Zukunft nur noch an der Seite ihrer Schwester. Denn der Kindsvater Tyler, ist scheinbar nicht in der Lage für seine Freundin und das Baby zu sorgen. So gibt Ramona ihren Traum auf ein College zu gehen, für das Wohl ihrer Schwester und dem Ungeborenen, auf. Sie würde einfach alles für Hattie tun. So fährt sie jeden Morgen in der Frühe die Tageszeitungen aus, geht zur Schule und arbeitet nachmittags und/oder abends in einem Restaurant, um so Geld zu verdienen. 

Ramona habe ich sofort in mein Herz geschlossen, denn sie ist selbstbewusst, was man gut an ihren blauen Haaren festmachen kann und auch mit Kritik und dem Getuschel um ihre Person (sie steht auf Mädchen und hat sich früh geoutet) bereiten ihr keine Probleme. Ich bewunderte Ramona für ihre Aufopferung hinsichtlich ihrer Schwester, selbst als sich ihr die Chance für eine aussichtsreiche Zukunft bietet, hält sie diese nicht wirklich für möglich. Dies ändert sich, als sie ihren Jugendfreund aus Kindertagen wieder sieht. Freddie, der gemeinsam mit seiner Grandma und deren neuem Ehemann nach Eurogly zurückgekehrt ist, hofft, dass er das letzte Jahr an der Schule endlich beenden kann, um anschließend mit seiner Freundin Vivienne aufs College gehen zu können. Denn eine Beziehung auf Entfernung ist alles andere als einfach. Doch alles kommt anders als geplant, was Freddie zutiefst verletzt.

Auch Ramona muss die Trennung von Grace verkraften und so schließen die beiden einen Pakt, wonach sie sich nicht neu in eine Frau verlieben wollen. Gemeinsam verbringen sie immer mehr Zeit miteinander und diese genießen sie in vollen Zügen. Die Freundschaft wächst immer stärker und alles könnte so einfach sein, wären da nicht die plötzlich aufkommenden Gefühle für den jeweils anderen. Doch keiner der beiden ist sich sicher, was sie wirklich füreinander empfinden. So entspinnt sich langsam, aber sicher, eine zarte Liebesgeschichte zwischen einem weißen Mädchen, was eigentlich auf Frauen steht, und einem farbigen Jungen, gepaart mit all den Vorurteilen und Problemen unserer modernen Gesellschaft. 

Das Zusammenspiel von Ramona und Freddie hat mir richtig gut gefallen. Beide gehen zunächst völlig ungezwungen mit einander um, in der festen Überzeugung, nur die besten Freunde zu sein. Auch bei Unternehmungen mit ihren Freunden Ruth, Saul und Adam ist alles in bester Ordnung. Die gemeinsame Zeit mit Freddie, die vielen Gespräche und das Schwimmtraining lösen in Ramona Zufriedenheit und Geborgenheit aus. Aber Ramona´s Gefühlslage gerät immer mehr ins Wanken und so stellt sie sich immer häufiger die Frage, ob sie nun wirklich lesbisch, bi oder pansexuell ist. Gerade die innere Zerrissenheit bei ihr, hinsichtlich ihrer Liebe zu Frauen und später auch für Freddie, konnte ich sehr gut nachvollziehen.

Auch Freddie mochte ich sofort, da er liebenswert, aufmerksam, gefühlvoll und ein sympathischer Typ ist, dem die Mädchenherzen zufliegen. Er ist ein loyaler Freund und hat das Herz auf dem rechten Fleck.

Besonders gut gefallen hat mir Agnes, die Großmutter von Freddie. Diese ist äußerst aufmerksam und bekommt alles mit, was um sie herum passiert und so ist es wenig verwunderlich, dass sie spürt, dass beide Gefühle füreinander haben. Im weiteren Verlauf wird sie für Ramona so etwas wie ein Mutterersatz, was eine tolle Botschaft ist.

Die Story ist zwar überwiegend ruhig, was mich allerdings zu keinem Zeitpunkt gestört hat. Die Geschichte behandelt nämlich viele Themen, wie gleichgeschlechtliche Liebe, Freundschaft, tiefe Verbundenheit zu wichtigen Menschen, Familienzugehörigkeit sowie Zukunftsängste, um nur einige zu nennen. Die Charaktere sind dabei tiefgründig und vielschichtig, was mir angenehme Lesestunden bescherte. Auch der Humor kommt nicht zu kurz, was mir ebenfalls gefiel.


Wie bereits in Dumplin, konnte mich Julie Murphy auch mit Ramona Blue (Fischer Verlag / FJB) wieder mit ihren Ideen und ihrem Schreibstil für sich einnehmen. Einfühlsam und bewegend erzählt sie aus dem Leben einer starken und bemerkenswerten jungen Frau, die auf der Suche nach Glück und Geborgenheit ist. Eine sehr bewegende, lebensbejahende und tiefgründige Story, die das Leserherz und die Seele erwärmt - 5 von 5 Nosinggläser.







Gemäß § 2 Nr. 5 TMG kennzeichne ich diese Rezension als Werbung. In meinem Beitrag befindet sich (zu informativen Zwecken) eine Verlinkung zur Webseite des Verlags, in welchem das Buch erschienen ist. Ihr erhaltet somit auch weitere Informationen zum Buch, zum Autor sowie eventuell auch zu weiteren Romanen.

Kommentare:

  1. Huhu Lieblings-Uwe, <3

    wie du weißt, habe ich bisher noch kein Buch von der Autorin gelesen. Irgendwie sprechen mich die Klappentexte auch nie zu 100% an.
    Umso toller ist es, dass du nach ein paar Anfangsschwierigkeiten noch die Höchstpunktzahl vergeben hast! Ich finde, das spricht doch sehr für die Geschichte und macht mich nun doch ein wenig neugierig :-D

    Liebe Grüße
    Sandra

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    1. Hey Lieblings-Sandra <3,

      das musst du unbedingt nachholen, denn ich bin mir sicher, dass dir der Schreibstil und letztlich die Geschichte, gefallen werden. Mein Angebot steht und du kannst es jederzeit in Anspruch nehmen.

      Liebe Grüße,
      Uwe

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  2. Hallo Uwe,
    Dumplin - Go big or go home habe ich als Film gesehen, bei dem Buch war ich mir damals beim ET unsicher. Aber der Film hat mir sehr gefallen, auch wenn ich gehört habe, dass es da gewisse Unterschiede geben soll.
    So bin ich dann auch etwas um Ramona Blue herum geschlichen, nachdem ich dann auch ein paar kritische Stimmen zu dem Buch gehört habe, hab ich es von meiner Wunschliste gestrichen. Es freut mich aber sehr, dass es dir so gut gefallen hat und sogar die Höchstwertung bekommen hat :-) Ich hoffe auch hier auf eine Verfilmung^^

    Liebe Grüße
    Tanja

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