Sonntag, 26. Februar 2017

Rezension - Camp 21 - Grenzenlos gefangen von Rainer Wekwerth


Titel: Camp 21 - Grenzenlos gefangen
Autor: Rainer Wekwerth
Verlag: Arena
Ausgabe: Hardcover
Seiten: 352
ISBN: 978-3-401-60177-9
Preis: 16,99 €


Quelle des Covers: Arena Verlag



Mike und sein Bruder Rick werden bei einer Spritztour mit dem Wagen ihres Vaters von der Polizei angehalten. Rick ist durch einen Joint recht high und widersetzt sich der Leibesvisitation, daher werden beide verhaftet. Trotz mehrerer Straftaten, wie überhöhter Geschwindigkeit, Widerstand gegen die Staatsgewalt und Drogenkonsum hofft Mike auf eine milde Strafe für sich und seinen Bruder. Auch geht er davon aus, dass sein Vater die Sache schon irgendwie regeln wird. Doch weit gefehlt, denn gerade ihr Vater ist es, der mit dem Staatsanwalt einen Deal aushandelt, der beide in ein Resozialisierungscamp mit dem Namen Black Hill bringt. Rick ist nach wie vor uneinsichtig und versucht auf der Fahrt vom Polizeirevier ins Camp zu fliehen, was aber misslingt. Im Camp angekommen, werden die Brüder getrennt und Rick in Einzelhaft gesteckt. So muss sich Mike erstmal alleine in dem Camp und mit dessen Regeln vertraut machen, denkt er doch, dass sein Bruder schon bald wieder an seiner Seite ist.

Kayla ist eigentlich ein vernünftiges Mädchen, welche auf ihre Eltern hört. Nur bei ihrem Freund Tom sind sie unterschiedlicher Meinung. Die Eltern verbieten ihr den Umgang mit diesem Jungen, da sie befürchten, dass Kayla durch den schlechten Einfluss und dessen Drogenkonsum, auf die schiefe Bahn gerät. Als Kayla eine beängstigende Nachricht von Tom erhält, macht sie sich Sorgen und sucht ihn. In einem heruntergekommenen Haus findet sie Tom schließlich mehr tot als lebendig vor und ruft den Notarzt. Gemeinsam fahren sie ins nächste Krankenhaus, wo Tom ärztlich versorgt wird. Als Kayla schließlich völlig fertig und krank vor Sorge um Tom nach Hause kommt, bricht ein Streit mit ihren Eltern aus. Am nächsten Morgen machen ihre Eltern kurzen Prozess und schicken ihre Tochter ins Camp Black Hill.

Aber ist dieses Verhalten der Eltern richtig? Kayla versteht die Welt nicht mehr und fühlt sich ungerecht behandelt. Was soll sie in einem Lager voller krimineller Jugendlicher?


Die Thematik, die der Autor Rainer Wekwerth hier gewählt hat, könnte nicht aktueller sein. Denn gerade in den USA schießen solche Bootcamps wie Pilze aus dem Boden. Zum Teil finde ich die Idee gut, straffällig gewordene und/oder stark aggressive Jugendliche eher dort unter zu bringen, anstatt sie ins Gefängnis zu stecken. Aber gerade das Verhalten von Kaylas Eltern zeigt deutlich, dass immer mehr Eltern mit der Erziehung ihrer Kinder nur schwer oder gar nicht zurechtkommen. Besonders die Ungerechtigkeit bei Kayla machte mich wütend. Natürlich ist der Umgang mit Tom für die Eltern nicht einfach und Kayla widersetzt sich den Wünschen ihrer Eltern. Aber ich fand es toll, dass sie den Mut hatte für Tom da zu sein, ihm zu helfen und an seiner Seite zu bleiben. Dies macht für mich Freundschaft unter anderem aus und eigentlich sollten Kaylas Eltern eher stolz auf sie sein. Daher konnte ich deren Verhalten nicht nachvollziehen.

Auch Mike ist im Grunde kein schlechter Mensch, lässt sich aber von seinem jüngeren Bruder Rick zu Dummheiten verleiten. Beide haben es nach dem Tod ihrer Mutter nicht einfach und besonders Rick leidet darunter sehr. Ihr Vater muss noch mehr arbeiten, um die Familie über Wasser zu halten, was natürlich dazu führt, dass die Erziehung der Brüder mehr oder weniger auf der Strecke bleibt. Mike versucht deshalb für seinen Bruder da zu sein und ihn vor größerem Schaden zu bewahren. Rick fühlt sich alleine gelassen, ist wütend auf alles und jeden und versucht dies mittels Drogen zu bewältigen. Dabei versinkt er immer mehr. Als Rick nicht, wie versprochen, nach ein paar Tagen im Camp Black Hill zu ihm stößt, beginnt Mike nachzuforschen und erfährt, dass sein Bruder in ein anderes Lager mit dem Namen Camp 21 verlegt wurde. Für Mike steht fest, dass er unbedingt zu seinem Bruder muss und so schmiedet er einen Plan, welchen ihn selbst ins Camp 21 bringen soll. Zwar geht sein Plan auf, doch auch ein weiterer Junge und Kayla müssen ebenfalls dort hin.

Kayla kann es nicht glauben, dass sie als Außenstehende in diesem Streit zwischen Mike und einem anderen Jungen mitbestraft wird und in dieses berüchtigte Camp geschickt wird. Noch schlimmer wird ihre Wut auf Mike, als beide mittels einer elektronischen Armfessel buchstäblich aneinander gekettet werden. So müssen die beiden lernen, miteinander auszukommen, möchten sie keine Schmerzen erleiden. Aber irgendetwas stimmt mit diesem Camp und dessen Leiter Mr. Bowden nicht. So beginnt Mike erneut unangehme Fragen zu stellen. Sein Verdacht erhärtet sich, als Kayla beginnt, sich zu verändern. Um ihr zu helfen, bleibt ihnen nur die Flucht.

Die Story rund um "Camp 21" konnte mich nicht nur durch den guten Schreibstil des Autors Rainer Wekwerth ans Buch fesseln. Sondern auch der Umstand, dass durch die teilweise recht kurzen Kapitel zu Beginn ein regelrechter Lesesog entstand. Unterstützt wird dieses Feeling auch durch die wechselnde Erzählweise von Mike und Kayla. Die Ausarbeitung der Charaktere empfand ich als sehr gut und gerade Kayla konnte mich überzeugen. Aber auch Mike hat das Herz am rechten Fleck, versucht er doch alles, um Rick und Kayla zu helfen.

Auf der Flucht durch die Wälder fieberte ich mit den beiden mit und konnte das Buch nicht zur Seite legen. 


"Camp 21 - Grenzenlos gefangen" von Rainer Wekwerth behandelt ein sehr interessantes Thema rund um straffällig gewordene Jugendliche und deren Möglichkeit zur Resozialisierung.

Wie weit darf man gehen und mit welcher Strenge begegnet man diesen jungen Erwachsenen? Dies und weitere Fragen hat der Autor in einer spannenden und im wahrsten Sinne des Wortes fesselnden Geschichte verwoben.

Oftmals ist eine gewisse "strengere Erziehung" nicht verkehrt und der eine oder andere Klaps auf den Hintern hat noch keinem Kind geschadet. Bitte versteht diese Aussage nicht falsch, ich heiße Gewalt egal gegen wen, nicht für gut oder sinnvoll, aber gerade die sogenannte "antiautoritäre Erziehung" kann auch nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Ein guter Mix aus langer Leine und einer gewissen Strenge halte ich für die beste Methode. 

Ich vergebe für dieses Buch sehr gute 4 von 5 Nosinggläser.

Kommentare:

  1. Huhu Schnuffi, <3

    eine wie immer sehr tolle Rezi, die wirklich extrem neugierig auf Rainers neues Buch macht. :) Nicht mehr lange, dann lese ich es auch, ich bin gespannt, ob es mir auch so ergeht wir dir, gehe aber fast davon aus. :D

    Küsschen, drück dich,
    Ally

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    1. Hi Prinzessin <3,

      ich danke dir und es freut mich, dass ich dich und die anderen neugierig auf das Buch machen konnte. Auf deine Meinung bin ich schon sehr gespannt. Ich wünsche dir viel Spaß dabei.

      Drück dich, Küsschen,
      Uwe

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  2. Huhu, lieber Uwe,

    schön, dass das Buch dich überzeugen konnte. Ich konnte damit ja leider gar nichts anfangen, die übrigen Wekwerth-Bücher liebe ich ja. Gut, dass dies alles Geschmackssache ist ;)

    Schönen Restsonntag und lg,
    Claudia :)

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    1. Hallo Claudia,

      mich konnte die Geschichte gut unterhalten und ich mag den Schreibstil von Rainer sehr. Und ja, zum Glück ist es Geschmackssache ;) mir ging es ja mit anderen Büchern auch so, dass viele es toll fanden und ich so lala...

      Ganz liebe Grüße,
      Uwe

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  3. Lieber Uwe,

    bei dir entdecke ich immer wieder schöne Bücher - danke dafür :)
    Ist das Buch in sich abgeschlossen oder Teil einer Reihe?

    Liebe Grüße
    Jasmin

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    1. Hallo Jasmin,

      das freut mich und so sollte das auch sein ;)

      Camp 21 ist ein Einzelband und laut meinen Informationen ist kein weiterer Band geplant.

      Liebe Grüße,
      Uwe

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  4. Huhu Lieblings-Uwe, <3

    das ist so ein Buch wo ich mir einfach unsicher bin, ob es was für mich ist oder nicht. Und die so unterschiedlichen Rezis zum Buch machen es mir nicht wirklich leichter.
    Es freut mich aber, dass es dir so gut gefallen hat.

    Liebe Grüße
    Sandra

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    1. Huhu Liebilings-Sandra <3,

      ich denke schon, dass das Buch etwas für die wäre. Bis auf wenige Ausnahmen, habe ich eigentlich auch nur positives darüber gelesen/gehört. Vielleicht schaust du es dir nochmal näher an?

      Liebe Grüße,
      Uwe

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  5. Hallöchen Uwe,

    das klingt nach einem sehr interessanten Buch. Ich hatte es schon mal grob auf dem Schirm, aber ich denke, jetzt wandert es endgültig auf die Wunschliste.
    Was den Klaps angeht, da habe ich strenge Prinzipen. Das geht mal gar nicht! Es muss auf jeden Fall gewaltfrei ablaufen, das heißt aber nicht, dass es nicht autoritär sein kann, wenn es mal nötig ist.

    LG
    Anja

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    1. Hallo Anja,

      das finde ich auch und mir haben gerade die kritischen Untertöne in dieser Geschichte gefallen, da das Thema noch immer aktuell ist. Ich warte eigentlich darauf, dass es bald auch bei uns geben wird.

      Schön, das meine Rezi dazu beitragen konnte, dass das Buch auf deine WuLi gewandert ist.

      Was den "Klaps" angeht und Gewalt im allgemeinen gebe ich dir natürlich recht. Man sollte dies immer ohne Gewalt versuchen. Was ich damit ausdrücken wollte, war, dass mich die Eltern nerven, die meinen Ihr Kind darf alles und wenn es doch über die Strenge schlägt, heißt es dann Jan-Kevin lass das ....

      Aber jede/jeder wie er mag :)

      Liebe Grüße,
      Uwe

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  6. Hi Uwe!

    Ich muss das Buch ja noch lesen, darum habe ich nur dein Fazit gelesen. Ich bin gespannt, was da auf mich zukommt! Erziehung ist ja ein wichtiges Thema und was den autoritären Erziehungsstil vs. Laissez-Faire (=dass man nicht darauf achtet, was seine Kinder machen) angeht: es gibt ja noch den demokratischen Weg ;) Ich habe ja manchmal den Eindruck, dass heutzutage viele Eltern nicht nein zu ihren Kindern sagen können...

    Liebe Grüße
    Laura

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    1. Hi Lauralein <3,

      das macht doch gar nichts und ich mache das ja genauso bei Büchern die ich noch nicht gelesen habe. Allerdings glaube ich, dass dir "Camp 21" gefallen wird.

      Was das nein sagen betrifft, hast du absolut recht!!!

      Liebe Grüße,
      Uwe

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