Sonntag, 18. Juni 2017

Rezension - Der Koffer von Robin Roe


Titel: Der Koffer
Autor: Robin Roe
Übersetzerin: Sonja Finck
Verlag: Königskinder
Ausgabe: Hardcover
Seiten: 416
ISBN: 978-3-551-56029-2
Preis: 19,99 €

Quelle des Covers: Carlsen Verlag




Julians Eltern starben bei einem Verkehrsunfall als er noch recht klein war. Daher wird er in einer Pflegefamilie untergebracht, bis eines Tages ein Onkel auf der Bildfläche auftaucht und das Sorgerecht zugesprochen bekommt. Seither lebt Julian dort und von seinen Eltern sind ihm nur ein Koffer voller Erinnerungen sowie Geheimnisse geblieben. 

Die Schule ist ihm egal, er schwänzt den Unterricht, geht nicht zur Schultherapeutin, verbringt die Pausen in "seinem Versteck" und verkriecht sich in sich selbst. Da er niemanden hat, mit dem er reden kann, macht er seine Trauer mit sich selbst aus. Daher beschließt die Schultherapeutin Julian in Zukunft durch Adam am Klassenzimmer abholen zu lassen. Als Julian Adam begegnet, ahnen sie beide nicht, dass es ihr Leben völlig verändern wird.


Der Koffer von Robin Roe ist ein sehr emotionales und tiefgreifendes Buch, welches mich zum einen sehr traurig und wütend gemacht hat und mich zum anderen immer wieder schmunzeln ließ. Wer diese Geschichte gelesen hat, wird diese so schnell nicht vergessen, denn sie berührt und geht sehr tief.

Die Autorin erzählt aus der Sicht von Julian und von Adam.

Ist Julians Leben zunächst noch mit Freude und Liebe durch seine Eltern erfüllt, lernt er sehr schnell und auf harte Weise die Realität und Schattenseiten kennen. Als seine Eltern starben, war er noch recht klein und natürlich vermisst er seine Eltern sehr. So schirmt er sich von seiner neuen Pflegefamilie und dem Leben an sich völlig ab und lässt niemanden an sich ran.


" "Wie viele Sterne?", hat Julians Vater immer gefragt, wenn er ihn abends ins Bett brachte. Zehntausend-Sterne-Tage waren die besten überhaupt." (Klappentext)

Doch diese tollen Zehntausend-Sterne-Tage wird es nicht mehr geben, soviel ist sich Julian bewusst. Nur langsam kann Adam, sein Pflegebruder, zu ihm durchdringen und das Leben von Julian beruhigt sich etwas. Dies aber nur bis zu dem Tag, als aus dem Nichts ein Onkel auftaucht und das Sorgerecht einfordert. Von nun an ist Julians Leben durch Armut, Gehorsam, Züchtigungen und Enthaltsamkeit geprägt.

Julian tat mir so unglaublich leid und ich hätte ihm so gerne geholfen. Wollte ihm eine Stütze sein und ihm über den schweren Verlust hinweg helfen. So sehr hat mich noch kein Charakter berührt und beschäftigt. 

Sind die Abschnitte Julians von Angst, Trauer und Hilflosigkeit geprägt, so findet man bei den Abschnitten von Adam Humor und Lebensfreude.

Adam ist ein fröhlicher, offener und leicht tollpatschiger Junge, der von vielen Freunden umgeben ist. Seine Hilfe und Aufopferung gegenüber Julian sowie seine ganze Art an sich mochte ich sehr. Er zauberte mir gerade zu Beginn des Öfteren ein Schmunzeln ins Gesicht. 

Schön fand ich auch, dass die damals begonnene Freundschaft zwischen den beiden, trotz der Trennung, nichts an ihrer Intensität verloren hatte. Auch wenn sich Julian zu Beginn der neu aufgelebten Beziehung etwas reserviert gab, wächst das Vertrauen immer mehr und so kommt Adam hinter das Geheimnis von Julian, welches beide in große Gefahr bringt.

Das Verhalten von Julians Onkel konnte ich absolut nicht nachvollziehen und ich empfinde es als erschreckend, wie nahe das Ganze leider an der Realität ist.

Sehr gut umgesetzt finde ich auch den Bezug zwischen dem Cover und der Geschichte, denn beides hat eine sehr große Bedeutung, die mich wirklich geschockt hat.


Der Koffer ist eine tief berührende, aufwühlende und sehr traurige Geschichte, die mich wütend gemacht und zugleich während dem Lesen immer wieder hat hoffen lassen.

Robin Roe spielt hier mit all den uns Menschen zur Verfügung stehenden Emotionen und lässt den Leser durch ein Wechselbad der Gefühle gehen. Man fiebert, fleht, hofft und trauert mit den Protagonisten mit und man möchte am Liebsten selbst eingreifen, auf Missstände aufmerksam machen und Personen zum Handeln zwingen.

Durch mehrere Meinungen habe ich erfahren, dass es sich wie eine Achterbahn beim Lesen anfühlt, dem kann ich mich nur anschließen!

Eine klare Leseempfehlung und 5 von 5 Nosinggläser.

Kommentare:

  1. Huhu Schnuffi, <3

    eine wundervolle und sehr berührende Rezi, man merkt in jeder Zeile wie sehr dich das Buch berührt und beschäftigt hat. Julian tut mir ja jetzt schon furchtbar leid, obwohl ich seine Geschichte noch nicht gelesen habe. In mir wird diese sicher auch noch sehr lange nachwirken, wenn es dann bei mir soweit ist.

    Drück dich, Küsschen,
    Ally

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    1. Hi Prinzessin <3,

      danke für deine lieben Worte und ich bin schon sehr gespannt, was du von dem Buch sagen wirst. Bin mir sicher, dass es dir mindestens genauso gut gefallen wird :)

      Drück dich, Küsschen,
      Uwe

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  2. Hallo Uwe,
    ich schließe mich meiner Vorposterin an. Man merkt, wie sehr dich das Buch aufgewühlt hat. Ich hab nun schon einige Rezis über dieses Buch gelesen, sie alle sind sehr begeistert und beschreiben aber die emotionale Achterbahnfahrt.
    Uwe, ich würde deinen Beitrag gern bei meiner nächsten Blogwanderung verlinken.

    Gruß,
    Daniela

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    1. Hi Daniela,

      auch dir vielen Dank und ja, die Geschichte berührt sehr und geht nicht spurlos an dem Leser vorbei.

      Das du meinen Beitrag verlinken möchtest, freut mich und darfst du natürlich gerne tun :)

      Liebe Grüße,
      Uwe

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  3. Hey,

    das hört sich wirklich nach einer sehr emotionalen Geschichte an. So wie du seinen Onkel schilderst hört sich das für mich aber schon recht dick aufgetragen an, auch wenn du meinst das wäre nahe an der Realität. Denkst du es ist wirklich glaubhaft, dass ein solcher Charakter erfolgreich das Sorgerecht zugesprochen bekommt? Wollte Julian in der Hinsicht nicht intervenieren?

    Liebe Grüße!

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    1. Hi Misty,

      ich kann dich beruhigen, denn es ist, was den Onkel betrifft, nicht dick aufgetragen. Leider gibt es die in der Geschichte beschriebenen Details in unserer Gesellschaft. Leider kann/möchte ich dies nicht näher erläutern, da ich sonst spoilern würde. Wer das Buch gelesen hat, wird meine Meinung dazu bestimmt verstehen.

      Nein, Julian wollte/konnte dies nicht. Soviel kann ich dir verraten.

      Liebe Grüße,
      Uwe

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  4. Hallo Uwe,

    um diese Leseempfehlung komme ich wohl nicht rum, danke für die schönen Worte zu diesem Buch!

    Liebe Grüße,
    Nicole

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    1. Hi Nicole,

      und nein, kommst du nicht ;) Es wird dir auf jeden Fall gefallen und freue mich schon jetzt auf deine Meinung.

      Liebe Grüße,
      Uwe

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  5. Huhu Lieblings-Uwe, <3

    du hast wirklich schöne Worte zu diesem Buchschatz gefunden. Und immer wenn ich an das Buch zurück denke überkommt mich ein Schauer. Wirklich ein sehr bemerkenswertes Buch!

    Liebe Grüße
    Sandra

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    1. Hey Lieblings-Sandra <3,

      das freut mich und es ist wirklich ein Buchschatz !!! Und ja, so geht es mir auch und vor allem kribbelt eine kleine Wut in mir in Bezug auf den Onkel (du weißt wieso).

      Liebe Grüße,
      Uwe

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