Samstag, 21. November 2015

Rezension - Hamburg Rain 2084 - Rehab (Teil 3) von Ralf Wolfstädter



Titel: Rehab
Hamburg Rain 2084
Autor: Ralf Wolfstädter
Verlag: Droemer Knaur
Ausgabe: eBook
Seiten: ca. 200
ISBN: 978-3-426-43749-0
Preis: 3,99 €
Quelle des Covers: Homepage Hamburg Rain 2084





Daniel Arzberger erwacht aus einer Art Ohnmacht und hört wie eine schwache Stimme seinen Namen ruft. Zunächst weiß er nicht, wo er sich befindet und was passiert ist. Nur langsam kommt er zu sich. Als er sich im Zimmer umschaut, entdeckt er einen zerbrochenen Glastisch und in den Scherben eine schwer verletzte Frau und viel Blut. Die Frau ruft wieder seinen Namen. Bei dieser Frau handelt es sich um die Journalistin Teresa Möbius und im Sterben flüstert sie Daniel zu

"Nimm die Holodisc..." Der Professor hat die Experiemente wieder aufgenommen. Mark Hallenberg, erinnerst du dich? Du musst sie aufhalten."
Zitat Seite 8 und 9 eBook

Danach sinkt ihr Kopf zur Seite und ist tot. Daniel bleibt nicht viel Zeit, um nachzudenken, denn plötzlich geht ein Alarm los und die Polizei steht vor der Tür. Er versucht zu fliehen, doch es ist zwecklos und er wird verhaftet. Die Anklage lautet Mord, die Beweise sind erdrückend, die Aussicht sein eigener Tod. 




Der Autor Ralf Wolfstädter hält sich nicht mit langen Vorreden auf. Nach einem kurzen Prolog, wirft er uns direkt mitten hinein in Daniels Albtraum. Wir erleben sein Erwachen, das Gefühl wie gelähmt zu sein, da er nicht weiß, wo er sich befindet, was geschehen ist und dann ist da immer wieder eine Stimme die seinen Namen flüstert ...

Ich fühlte mich nach den ersten Zeilen genauso wie Daniel, ich war verwirrt, orientierungslos und konnte nicht einordnen, was passiert ist. Das hat mir sehr gut gefallen, denn ich mag es, wenn ich gemeinsam mit dem Protagonisten quasi die Geschichte erlebe, ohne zuviel zu wissen. Und dieses Gefühl steigerte sich sogar noch etwas mehr, denn obwohl wir während dem Polizeiverhör die Version des Ermittlers David Rosen verfolgen, hängt Daniel seinen Erinnerungsfetzen nach und versucht diese in die richtige Reihenfolge zu bekommen. Doch irgendwie ergibt das alles keinen Sinn für ihn und auch für den Leser. Irgendetwas stimmt hier ganz und gar nicht. Völlig konsterniert unterschreibt Daniel aber ein Geständnis, mit verherrenden Auswirkungen auf sein Leben.

Während wir nun gemeinsam mit ihm in Untersuchungshaft sitzen, können wir das Erlebte einordnen und bewerten. Alle Indizien sprechen gegen Daniel und es sieht absolut nicht gut für ihn aus. Als er unerwartet Besuch von einem fremden Mann erhält, der ihm einen Ausweg aufzeigt, beschließt er diese Chance zu nutzen. Er willigt ein, an einem neuen Rehabilisierungsprogramm teilzunehmen. Denn dies bedeutet am Leben zu bleiben!

In der Forschungseinrichtung der Conscientia Corporation auf Ebene 72 gefangen, erduldet Daniel die vielen Tests und Behandlungen und hängt seinen Gedanken nach. Welchem Zweck dienen diese ganzen Tests? Auch seine eigene Situation kann er nicht verstehen, er ist sich sicher, die Journalisten nicht getötet zu haben und ihn beschleicht der Verdacht, als Sündenbock herhalten zu müssen. Nur warum ausgerechnet er? Sein Verdacht erhärtet sich, als sein Zellengenosse nach einer "Behandlung" verändert zurück kommt, Unsinn redet und am nächsten Morgen tot im Bett liegt...

So beschließt er, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und bricht aus der Klinik aus. Auf der Suche nach Antworten flieht er in die tieferen Ebenen von Hamburg. Nur wird er die Antworten finden, die er sucht?



Daniel ist ein verzweifelter Mann, der mit dem Rücken zur Wand steht und doch lässt er sich nicht unterkriegen und wehrt sich. Ich fand ihn sehr authentisch und mochte ihn.

Sein "Gegenspieler" so möchte ich ihn mal nennen, ist Dr. Pudovkins. Er ist der Leiter der Forschungseinrichtung und seine Arbeit steht über allem. Ihm ist jedes Mittel recht, um seine "Arbeit" zu vollenden, auch wenn er dabei alle menschlichen Grundsätze über Bord werden muss. Notfalls auch mit Gewalt, bis hin zum Mord. Dr. Pudovkins ist ein skrupelloser, machtbesessener Mann, dem ich am liebsten eigenhändig den Hals umgedreht hätte.

Mir haben die Geschichte und der spannende Schreibstil von Ralf Wolfstädter gut gefallen. Ich konnte mich gut in die Lage von Daniel hineinversetzen und spürte seine Angst und aufkommende Wut, während dem Lesen.

In unserer heutigen Zeit, wo viel an unserer DNA geforscht wird, die technischen Möglichkeiten in der Medizin große Erfolge vorweisen können, stellt sich mir durch diese Geschichte die Frage, wie weit dürfen wir hier vordringen?

Was macht einen Menschen aus? Was würde passieren, wenn wir die Möglichkeit hätten, die Persönlichkeit eines Menschen zu verändern oder gar zu steuern? Eine erschreckende Vorstellung, wie ich finde. Das Buch regt absolut zum nachdenken an und ich vergebe 4 Nosinggläser.


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